450 Maisonette Suite / Sissa Micheli


Wir haben die Künstlerin Sissa Micheli eingeladen, als "Artist in Residence" eine Woche in der Blauen Gans zu verbringen und bei und zu arbeiten. In folgendem Interview beschreibt sie den Entstehnungsprozess ihrer Arbeit für die Blaue Gans.

Gänsehaut: "Sissa, was ist der Ausgangspunkt für deine Arbeit im Arthotel Blauen Gans?"
Ausgangspunkt ist Virginia Woolfs "A Room of one's own", in welchem die Schriftstellerin für einen eigenen Raum für schreibende Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft plädiert. Ich habe mich im letzten Stock in der Maisonette-Suite, die an das Zimmer mit dem Spinnrad in Dornröschen erinnert, einquartiert. Ich habe somit "a room of my own/ ein Zimmer für mich selbst", in welchem ich künstlerisch schaffen kann.

Gänsehaut: "Welche besondere Beziehung hast du als Künstlerin zu Hotels?"
Ich knüpfe hier an eine Tradition von in Hotels lebenden Kunstschaffenden an. Im Hotel Chelsea in New York z.b. haben zahlreiche Künstler und Künstlerinnen längere Zeit wiederholt gewohnt. Hier geht es um die private Komponente, um die private Einrichtung im Gegensatz zu dem in der Literatur und in der Fotografie so oft zitierten Begriff des Hotels als ein "Nicht-Ort" nach Marc Augé.

Gänsehaut: "Nicht-Orte sind Orte ohne Geschichte, Relation und Identität, ohne kommunikative Intimität. Wie schaffst du einen privaten Ort im Hotel?"

Ich gehe einen Schritt weiter und "besetze" das Hotelzimmer mit Gegenständen des Personals. Ich bitte Köche, Kochgehilfen, Baristen, Kellner, Abspülkräfte, Rezeptionisten, Zimmermädchen, den Portier sowie den Hotelbesitzer, fünf persönliche Gegenstände aus ihrer Wohnung mitzubringen. Mit diesen Gegenständen mache ich eine Installation aus schwebenden Objekten. Von Tag zu Tag wächst das Pprojekt, bis es am Ende der Woche fotografisch abdokumentiert wird.