Gang 110-115 / Sofia Goscinski

18 Mental Disorders. Weißer und schwarzer Lack, Holz.

Laut einer 2008 veröffentlichten Studie des University of Oxford Centre for Suicide Research verletzt sich mindestens jeder zehnte Jugendliche freiwillig selbst.


Das Ritzen der Haut an den Armen und Beinen mit spitzen und scharfen Gegenständen dient hierbei als Ventil gegen seelischen Druck. Die Unmöglichkeit, in der turbulenten Zeit der Pubertät unbeschadet über seine Gefühle zu sprechen, Ängste und Zweifel zuzulassen, all dieser Seelenschmerz, der sich oft aus den Tiefen der Kindheit nun Bahn bricht, kann mit konkreten Selbstverletzungen überdeckt werden. Die destruktiven Impulse und der jugendliche Überlebenswille führen die Klingen im Kompromiss. Wer ritzt, springt nicht aus dem Fenster oder vor den Zug. Eine Persönlichkeitsstörung liegt jedenfalls vor.


Sofia Goscinski hat 2008, ein Jahr vor ihrem 30. Geburtstag, 38 Störungen aus dem Katalog der Geistes- und Verhaltensstörungen der Weltgesundheitsorganisation in weiß lackierte Brettchen geritzt. Beim Betrachten der schlichten, fast klinisch emotionslos anmutenden Aneinanderreihung ist man erleichtert über die Möglichkeit der Kunst, die Überdosis Gefühl, die jeden von uns dann und wann verstört, zum sichtbaren Ausdruck zu bringen.