RECEPTION / Irene Andessner

»Portrait von Irene Andessner als Milli Stubel-Orth« - Leuchtkasten

Irene Andessners Hauptthema ist seit 1988 das Selbstporträt, das sie ursprünglich in Form von Malerei und ab Mitte der 90er Jahre in Tableaux Vivants, Foto- und Videoinszenierungen umsetzt. Die Selbstinszenierung mit Rollenspiel tritt an die Stelle des gemalten Selbstporträts. Frauen mit humanistisch oder künstlerisch bewundernswerter Lebensgeschichte ­bilden den thematischen Hintergrund vieler ihrer (bisher ca. 100) Rollenportraits. Im Fokus stehen historische, aber auch mythologische und ­literarische Frauenpersönlichkeiten, auf deren Vorbildlichkeit die Performance- und Fotokünstlerin in zeitgenössischen „Nachbildern“ verweist.

Ludmilla Hildegard („Milli“) Stubel (1852–1890) war Balletteuse an der Wiener Hofoper. Die Österreich-Chronik verzeichnet ihre lebenslange Beziehung zu Erzherzog Johann Salvator von Habsburg, der sich ab 1889 (nach seinem Gmundener Schloss) Johann Orth nannte und seine bürgerliche Milli ehelichte. Ab 1890, nach ihrer Schiffsreise um Kap Horn, galten beide als verschollen.
Unter dem Pseudonym Johann Traugott hatte Johann bereits 1883 das Ballett „Die Assassinen“ geschrieben. In der Wiener Uraufführung agierte Milli Stubel von Kopf bis Fuß illuminiert mit Edisons neuen Glühlampen. Im Millenniumsjahr 2000 interpretierte Andessner dieses (nur schriftlich überlieferte) Szenarium der Milli Stubel an mehreren Schauplätzen – in Fotoproduktionen am Altausseer See und am Traunsee vor dem Schloss Orth sowie - im Falle unseres Leuchtkastens - mit einer Performance in der damals noch unrenovierten Reithalle des Wiener MuseumsQuartiers.